Januar - Juli 2021

Januar 2021

Tja, jetzt müssen wir wieder mal abwarten. Wir haben eine Bauvoranfrage gestellt (wurde uns von der Bauaufsicht nahe gelegt, da für das Gebiet in dem unser Elternhaus steht kein Bebauungsplan existiert). D.h. die Behörde orientiert sich an der benachbarten Bebauung und ob das zu dem Gebäudebild im allgemeinen passt. Ganz plakativ: Hochhaus neben Fachwerkhaus wird schwierig.

Der weitere Lockdown ist natürlich ein Zeitverzögerer für unseren Plan. Eigentlich wollten wir dieses Jahr beide Wohneinheiten + Technik + nicht in Baustelle wohnen, fertig bekommen. Momentan ist nicht absehrbar, ob wir das schaffen. Aber wir haben es noch immer fest vor. Wir nutzen diese Wartezeit bis Rückmeldung von der Baubehörde kommt, um unsere Ziele und Wünsche abzustimmen.

 

Letztes Wochenende hatten wir den ersten Termin als Familie, um folgendes zu besprechen:

1. Wie weit wollen wir im persönlichen Gebrauch bzw. Verbrauch gehen?

2. Was ist gar nicht vorstellbar?

3. Was ist unser zukünftiger Anspruch bzw. Ziel?

 

ERGEBNIS

1. Einschränkungen oder Alternativen zu finden sind für uns OK. Wir sind auch bereit persönliche Anpassungen vorzunehmen.

2. Einschränkungen im Alltag bzw. was wir gewohnt sind, gehen nicht. Bsp: Entweder läuft Geschirrspüler oder ich muss auf Licht verzichten.

3. Wir wollen zeigen, dass Autarkie geht. Auch zukünftigen Interessenten zeigen, was im Bestand machbar ist. Mit Sonne und Wasserstoff.

 

März 2021 -> Hurra -> Die 1. Hürde genommen

Der positive Bescheid für unsere Bauvoranfrage ist endlich angekommen. Nun kann der Antrag für die Baugenehmigung erstellt und eingereicht werden. Wir hoffen, dass wir im April eine positive Rückmeldung erhalten. Wir hoffen, dass die Bearbeitung durch unsere Bauvoranfrage evtl. schneller geht. Und was Corona noch so vor hat, weiß auch keiner. Wir nutzen diese "Wartezeit" für die Vorplanung für unser Leuchtturm- und Schaufensterprojekt. Ein kleiner spannender Ausblick:

 

- Strom mit PV und Speicherung in Salzbatterie + Biogasanlage & Brennstoffzelle           (SOFC), wenn mal keine Sonne scheint und man Strom und Wärme benötigt

 

- Wärme (Warmwasser und Heizung) über Solarthermie und Brennstoffzelle +
  dezentrale Wohnraumlüftung + Lehmdeckenheizung +
  Luftwärmepumpe + wassergeführte Pelletöfen

 

- Wasser als Kreislauf über Regenwassernutzung und Aufbereitung von Grauwasser
  in Brauch/Betriebswasser und Trinkwassergewinnung aus Regenwasser.
  Schwarzwasser ist besonders und unsere Lösung schwer in 3 Zeilen zu
  beschreiben. Es gibt aber eine Lösung hierfür.

 

- Abfallvermeidung und Reststoffverwertung. Z.B. soll unsere geplante Biogasanlage      mit organischen Haushaltsabfällen (wie Obstschalen und Gemüsereste), nicht mehr    verzehbares Altbrot, Kaffeesatz, Grasschnitt und Laub gefüttert werden.  

 

Das liest sich jetzt sehr kompliziert, ist es aber nicht. Wir wollen nur redundante Systeme, wenn die Kinderkrankheiten auftreten. Was heißt redundant? Doppelt-gemoppelt. Wir sitzen nicht im Kalten, falls in der Heizperiode die Brennstoffzelle Fehler anzeigt. Wir wollen zeigen, dass diese Technologien auch für Privatbauvorhaben finanzierbar und machbar sind. Damit schaffen wir die Energiewende und der tolle Nebeneffekt: Eigenverbrauch mit Option auf noch viel mehr. Seid gespannt wie es weiter geht....

 

April-> Bauantrag ist auf dem Weg

Ja, das gibt es noch: Einschreiben mit Rückschein. In der Corona Zeit dauert aber hier auch die Zustellung länger bzw. es dauert bis der Rückschein im Briefkasten liegt. Aber das kennen wir ja mittlerweile. Nun heißt es wieder warten. Wir können nur hoffen, dass die Bearbeitung evtl. etwas zügiger erfolgen kann, da die Voranfrage positiv war. In der Zwischenzeit wird die Planung weiter voran getrieben. Wir suchen nun eine Zimmerei, die uns den Anbau in Holzständer Bauweise produziert. Hier kommen noch andere Probleme durch Corona: Baustoffe sind knapp. Teilweise stehen schon Baustellen. Holz wird sehr viel nach gefragt und ist teurer geworden. Wir müssen mal schauen wie sehr das alles die Kosten treibt. 

Auch eine Rückbau- und Aufbau Firma ist gesucht. Wir setzen alle Hebel in Bewegung, damit wir nicht zu hören bekommen: Fragen Sie mal in 2 Jahren an. 

Und: Leute....Wolfsburg ist teilweise unverschämt teuer. VW kann echt die Preise vermiesen. Wie machen das Wolfsburger, die nicht bei VW arbeiten?

 

Mai -> Ein kalter Mai Start

Wir warten mal wieder. Diesmal auf die Baugenehmigung. Immerhin haben wir dank unseres Architekten Firmen gefunden, die auch noch Kapazitäten für dieses Jahr haben. Und wir haben den Eindruck, dass auch die Chemie stimmt. Und jetzt kommt das große ABER: es ist tatsächlich noch heftiger geworden, was Baumaterial angeht. Wir müssen für uns die Angebote abwarten, ob wir das finanzieren können. Im Holzbereich wird der Großteil nach USA verkauft. Zu heftigen Preisen. Wie kann das denn sein? Ökologischer Abdruck sieht anders aus...

 

Was heisst das für uns?

Wir müssen für uns den Kipp-Punkt beachten, d.h. ab wann können wir unser Projekt erstmal stoppen, weil wir es uns schlicht nicht leisten können? Evtl. wird es zukünftig besser/anders. Auch wir haben keine Kristallkugel auf dem Tisch wie das ausgeht. 

Es ist nur furchtbar anstrengend und zehrt Energie, die wir an anderer Stelle brauchen. Durchhalten und das beste hoffen, ist jetzt unsere Devise. Planen weiterhin ja, aber -> bis  mind. Plan F.......in petto. 

 

Wir haben Juni 2021

Ein halbes HURRA... die Baugenehmigung ist nach sagenhaften 11 Wochen !!!! trotz positiver Bauvoranfrage endlich eingetroffen. Also glaubt nicht, dass es mit positiver Bauvoranfrage schneller ginge in der Bearbeitungszeit. Gut, wir hatten auch das Pech, dass sich der Sachbearbeiter in der Behörde geändert hatte. Aber Leute....11 Wochen? 

Für uns der super Gau, da in der Zwischenzeit das Material so teuer geworden ist (sofern überhaupt verfügbar), dass wir jetzt über unser eigenes Netzwerk Materialien beschaffen, die wir brauchen. Mal eben im Baustoffhandel anrufen und bestellen -> ist nicht! 

Wenn wir unser Projekt dieses Jahr weiter durchziehen, wird das unter Extrembedingungen geschehen (alles Corona geschuldet und auch der Globalisierung, die uns hier um die Ohren fliegt -> wen es interessiert: eine Erklärung hierzu am Ende): 

 

1. Die Planung größtenteils virtuell per Telefon, Skype oder erlaubte Vor-Ort-Termine

2. Materialbeschaffung mit Corona-Test im Baustoffhandel oder über eigene Kontakte, weil schlicht alles leer gefegt ist oder den dreifachen Preis hat. 

3. Firmensuche über unser Netzwerk oder Mundpropaganda, da ausgebucht bis ultimo oder kein Interesse, weil wir zu "klein" sind. 

 

Wir haben unseren Anbau mittlerweile aus der Not komplett umgeplant. Eigentlich wollten wir die Wohnung, die über einer Doppelgarage saniert wird in Holzständer-Bauweise errichten. Auch um Material mit der gleichzeitigen Sanierung des Fachwerkhauses einzukaufen. Das können wir uns zu den derzeitigen Preisen schlicht nicht leisten!!! Daher kommt eine unserer Recherche Ideen nun doch zum Zuge. Ein Vollholzhaus (Holz 100), welches auch die KfW Bedingungen erfüllen kann und das Holz wird zu bestimmten Zeiten geschlagen und verarbeitet. Kein esoterischer Quatsch sondern seit Jahrzehnten so umgesetzt. Ist nur vergessen bzw. verdrängt worden, weil es mehr Zeit benötigt. Die will ja kaum jemand mehr investieren -> schneller Erfolg ist gewünscht.

 

Das heisst unsere Wohnung wird ein Haus, welches auf die Doppelgarage aufgesetzt wird. Es wird in Österreich gefertigt und mit einem deutschen Partner bei uns  in 2 Tagen zusammen gesetzt. Dann muss es "nur" noch an Strom und Wasser angeschlossen werden. Fertigbau ja, aber zu 100 % wieder verwendbar oder auch an anderen Ort versetzbar! Wir werden weiter berichten

 

Exkurs Globalisierung und Materialmangel bzw. kosten: 

Da wir Materialien durch die ganze Welt befördern bzw. die Herstellung in diversen Ländern erfolgt, holt uns unsere Geiz-ist-geil-Mentalität ein. Ich mag es gerne kurz, deshalb hier auch im Telegramm Stil. 

Holz: USA, China Nachfrage hoch, da Konjunktur anspringt. USA könnten aus Kanada beziehen, da aber Schädlingsbefall sehr hoch, wird in Europa eingekauft. 

Kunststoff: KG Rohre werden viel in USA produziert. Hier hat der harte Winter Auswirkungen gezeigt, da Werke schliessen mussten. 

Beton: eh schwierig aufgrund der steigenden Baunachfrage durch die Niedrigzinspolitik (noch immer der Finanzkrise geschuldet)

Logistik des Materials: Schifffahrt zum Großteil. Aber durch Corona können die Crews nicht ausgetauscht werden. Also liegen die Schiffe...

Werden wir hieraus lernen oder es anders machen? 

 

Juli 2021

Was soll ich sagen? Seit 4.Juni die Baugenehmigung, aber......

- keine Handwerker verfügbar

- kein/kaum Material verfügbar oder so teuer, dass es unser Budget sprengt

- die Zeit rennt uns davon. Im Herbst/Winter zu starten immer mit Risiko verbunden

- und dauernd warten auf Rückmeldungen, ob dieses Jahr noch was geht. 

 

Seit heute: Juchhu......wir können immerhin im Herbst starten, da die Hoch/Tiefbau-Firma zugesagt hat. Damit haben wir schon gar nicht mehr gerechnet. Aber der Umfang ist für die Statik deutlich mehr als wir ursprünglich angenommen hatten. Egal, hauptsache es geht los...

 

Wir als Familie bewegen uns emotional von mega gefrustet bis "wieder aufrappeln und weiter geht es". Das wir unsere ganze Planung einmal komplett auf links drehen mussten (durch Corona und die Materialpreise) hat uns Nerven und Zeit gekostet. Aber bleibt ja nichts. Wir starten also im Herbst. Jetzt wird die Herausforderung das Timing aufgrund der Witterung. Es bleibt spannend.....

 

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